Forum der Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie Heft 4 - 2003

Forum der Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie

Heft 4 - 2003

Rezension

Andreas Warnke, Gerd Lehmkuhl (Redaktion), Kinder und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie in der Bundesrepublik Deutschland. Die Versorgung von psychisch kranken Kindern, Jugendlichen und ihrer Familien. Schattauer Verlag. Stuttgart. 206 Seiten. 24,95 €.

Dieses „Weißbuch“ wird von den Vorständen der drei deutschen kinder- und jugendpsychiatrischen Fachverbände - Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Berufsverband der Ärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie in Deutschland e.V. sowie der Bundesarbeitsgemeinschaft der leitenden Klinikärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie e.V. - herausgegeben. Die Ausarbeitung des Buches sowie die redaktionelle Bearbeitung wurde federführend von Prof. A. Warnke aus Würzburg und Prof. G. Lehmkuhl aus Köln übernommen. Aus einer Denkschrift, die noch in der ersten und zweiten Auflage in Broschürenform erschien, ist ein Buch entstanden, das den Fortschritt des Fachgebietes national und international widerspiegelt.

Es ist eine hochinteressante Pflichtlektüre und gleichzeitig eine Fundgrube für jeden, der sich mit der Entwicklung eines der jüngsten Fachgebiete der Medizin etwas intensiver auseinandersetzen möchte.

Im ersten Teil werden das Fachgebiet mit seiner Aufgabenstellung, die Richtlinien für die Facharztausbildung sowie die geschichtliche Entwicklung zum eigenständigen Gebiet beschrieben. In den letzten Jahren wurde die Psychotherapieweiterbildung nach den Psychotherapierichtlinien in das Facharztcurriculum integriert. Weitere Kapitel beziehen sich auf die unterschiedlichen Erklärungsansätze und Untersuchungsverfahren, Begutachtungsaufgaben sowie Behandlungsansätze, Qualitätssicherung und Prävention in der kinder- und jugendpsychiatrischen Arbeit. Struktur und Organisation des Fachgebietes mit ambulanter und stationärer Versorgung sowie die Beziehung zu den Nachbargebieten werden thematisiert. Die Zahl der als Fachärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie tätigen Kollegen ist derzeit auf über 1000 gestiegen. Es existieren ca. 140 stationäre und teilstationäre Einrichtungen mit ca. 4400 zur Verfügung stehenden Behandlungsplätzen. An 25 medizinischen Fakultäten in Deutschland bestehen Lehrstühle bzw. kinder- und jugendpsychiatrische Abteilungen. Durch die Einführung der Sozialpsychiatrievereinbarung wurde auch im ambulantem Bereich die Bildung von interdisziplinären Teams möglich. Die Entwicklung der fachbezogenen Forschung sowie ein internationaler Vergleich, Ethik und Zukunftsperspektiven umfassen die weiteren Themen des Buches. Ein weiterer wichtiger Teil besteht aus ausgesuchten Texten zur spezifischen Fragestellung der kinder- und jugendpsychiatrischen Versorgung, die meist bereits vorher an anderen Stellen publiziert wurden. Äußerst nützlich z.B. für potentielle Klienten oder Bewerber sind die Verzeichnisse der nach Bundesländern gegliederten Kliniken mit den Adressen, Telefonnummern, E-Mail, Website sowie die Angabe des Klinikleiters. Am Ende des Buches werden in gesonderten Kapiteln wichtige Elternverbände und Selbsthilfegruppen, Medienreferenten für ausgewählte Themen sowie relevante Lehrbücher und Fachzeitschriften aufgeführt.

Trotz der rasanten Entwicklung des Fachgebietes und der vielen erreichten Fortschritte kann die Versorgung nicht als ausreichend betrachtet werden. Nicht in allen Regionen kann die ambulante sowie stationäre und teilstationäre Versorgung als zufriedenstellend betrachtet werden und bedarf eines weiteren Ausbaus. Die Voraussetzungen für die präventiven Aufgaben des Fachgebietes müssen dringend verbessert werden.

Die Lektüre des Buches kann jedem Kinder- und Jugendpsychiater, aber auch dem am Fachgebiet interessierten Laien unbedingt empfohlen werden. Nur selten gelingt es einem medizinischen Fachbuch auch die sozialpolitische Bedeutung eines Fachgebietes deutlich zu machen und wegweisende Zukunftsperspektiven zu entwerfen.

Dr.med. Bodo Christian Pisarsky, Berlin